"Erlebe Nachhaltigkeit hautnah!" – die Führung des sneep e.V. über den Siegburger Mittelaltermarkt

"Wussten Sie, dass es in Nepal Bäume gibt, die freiwillig ihr Harz an die Natur abgeben? Und wussten Sie auch, dass dieses Harz, wenn man es inhaliert, bewusstseinserweiternd wirkt?" Mit dieser Aussage hätten die Studenten der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg nicht gerechnet, als sie sich für die Führung "Gelebte Nachhaltigkeit hautnah!" des studentischen Netzwerks sneep e.V. angemeldet haben.

Der Quacksalber und seine Truppe können viele solcher Weisheiten und Heilungsgeschichten berichten. So habe man beispielsweise Hauterkrankungen mithilfe der ätherischen Öle des Quacksalbers lindern oder aber aus einer alten Muschel-Hals-Kette der Großmutter einen stabilen Löffel basteln können.

Nicht nur bei Ölen und heilsamen Harzen hatte der Siegburger Mittelaltermarkt den Studenten fernöstliche Fantasien anzubieten. Auf dem neuen Orientalischen Markt gibt leckeres Schawarma in knusprigem Brot und mystischen Gewürzen. Das Fleisch stammt aus der Region.

Direkt hinter der dem Schawarma-Stand befindet sich ein weiterer Stand von Karma Art. Dort kann man unter anderem Palmenlampen kaufen, die aus getrockneten Palmblättern bestehen. Damit unterstützt Karma Art Familien in fernöstlichen Ländern. Die Lampen werden unterjährig produziert und dann bspw. auf dem Mittelaltermarkt verkauft. Darüber hinaus bietet der Stand elegante Vasen und Schalen aus Altglas an.

Auch fasziniert war die studentische Gruppe von sneep Bonn vom Riemenschneider und Beutelmacher, der Siegenthaler GbR aus Burgsinn, bei denen die Gürtel noch zu hundert Prozent aus echtem Leder bestehen. Moderne handelsübliche Gürtel hingegen bestünden nur noch in geringem Maße aus Leder. Dies führe dazu, dass die Gürtel spätestens nach fünf Jahren brüchig würden und man sie dann entsorgen müsse, so die Verkäuferin. Dann doch lieber einen vollständig aus Leder bestehenden Gürtel kaufen, der ein klein wenig teurer (ab 32,50 €/Stk) ist, dafür aber lange erhalten bleibt. Den Studenten war bislang nicht bewusst, dass wenn man diese Gürtel einmal pro Jahr mit Lederfett einreibt, die Gürtel Jahrzehnte lang halten. Dieses Fett bietet der Riemenschneider für fünf Taler an. Das Leder würde die Siegenthaler GbR von einem Gerbermeister ebenfalls aus der bayerischen Region beziehen, um seine Region zu stärken und die CO2-Emissionen möglichst gering zu halten.

Student Philipp und jahrelanges sneep-Mitglied bewunderte außerdem die Vielfalt an seltenen Handwerken, die auf dem Siegburger Mittelaltermarkt wieder zu neuem Leben erwachen. Besonders aufgefallen war Philipp, dass es neben Gerbermeistern und Riemenschneidern auch einen Weidenkorbflechtmeister gibt, der seine qualitativ hochwertigen Produkte per Hand anfertigt, die Weiden noch selber anbaut und mit organischen Farben einfärbt.

Die Reispfanne, welche im Weißkohlblatt mit selbst hergestelltem Bärlauchpesto gereicht wird, gefiel zum Beispiel Studentin Julia besonders. Die Reispfanne besteht nämlich überwiegend aus regionalen Zutaten, um den ökologischen Fußabdruck möglichst gering zu halten. So kann auch der Erkältungen vorbeugende „Teller“ aus Weißkohl entweder gegessen oder als Biomüll verwertet werden. Die Verkäuferin baut den Bärlauch seit Jahren im eigenen Garten an und fügt für das Bärlauch-Pesto u. a. Rapsöl hinzu. Mittlerweile ist sie damit so erfolgreich, dass sie für den Vertrieb ihres Pestos einen Online-Versandhandel einrichten musste.

Den kritischen Studenten ist aufgefallen, dass es nahe der Glühweinstände kaum Entsorgungsmöglichkeiten gibt. Nach dem dritten Glühwein wird jeder dazu verleitet, seinen Müll einfach fallen zu lassen, besonders weil es keinen separaten Mülleimer an den Stehtischen gibt.

Zusammenfassend berichten die Studenten der sneep Lokalgruppe KölnBonn, dass sie eine gute und lehrreiche Zeit auf dem Siegburger Mittelaltermarkt verbringen durften und danken allen Marktverkäuferinnen und Marktverkäufern sowie allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dafür.

von Silvia Kohlhas