Der Gewürzehändler

Gewuerzhaendler

Friedhelm Wilke

friedelwilke@web.de


„Denk ich am Siegburger Weihnachtsmarkt in der Nacht, bin ich meist um den Tag gebracht...“

Zumindest würde es am folgenden Markttag für Euren Gewürzkrämer sehr anstrengend.

Aus diesem Grund falle ich während des Weihnachtsmarktes am liebsten einfach ins Bett, schlafe und erhole mich und genieße im Traum noch einmal die vielen wunderschönen Erlebnisse, Verrückt- und Torheiten, die wir an den Ständen und auf dem Markte und Ihr, buntes Besuchervolk haben durchleben dürfen in Sonne, Kälte, Regen, ja auch einmal Eis und Schnee. Ich möchte an dieser Stell ein Loblied singen auf eine Welt, in welcher wir uns frei von Rang und Namen begegnen und oft genug unsere Leben und Schicksale sich kreuzen lassen. All dies macht der Ort und die Obrigkeit von Siegburg möglich und niemals möchte ich`s missen. 

Schon allein wie der Tag beginnt: Ich sitze in aller Ruhe vor dem Start meiner täglichen Vorbereitungen auf einer Bank meinem Stande gegenüber, genieße ein heißes Getränk ebenso wie die Morgengrüße der Ankommenden und Vorbeischlendernden und -eilenden und die Ruhe auf dem bislang lediglich mit einem Auge in den neuen Tag blinzelnden Markte.

Und ich denke mit Behagen an die zur Marktöffnung gezielt Einkaufenden, die nach Anregung suchenden, die „Mittelalterhorden“, die Menschen, die sich sehr einfach und ehrlich freuen können über all das Dargebotene, an die Schulklassen, die jungen Kinderlein (die einfach nicht einsehen wollen, dass die Erde eine Scheibe sein muss!), die Schlemmer und fröhlichen Trinker, die kleinen und größeren Gauner, die sich einfinden und vor allem an die Geschichten, die sich an diesem Tage eröffnen werden mit jedem Kontakt, der sich ergibt.

Ich denke an den melodischen Glockenklang der Stunden, unsere Musik, die Erschallen wird, an den munteren Gesang der Stimmen, den scherzenden und (leider) oft mahnenden Ton von Büttel und Vogt, kurz an das ganze pralle Leben, das sich hier bietet.

Und ich denke an meine Gewürze, Spezereyen, Tees und all die Wohlgerüche und Genüsse, die mich gleich umfangen und umschmeicheln werden und hoffentlich in den Kammern und Mägen der lieben Leute landen, sie mit Wohlgeschmack und Genuss erfreuen. Nun stehe ich auf und gehe hinüber zu meinem Stande und bereite den Tag vor.

Friedhelm Wilke, Gewürzhändler